Nun haben wir den Salat: Bürger beschweren sich über den seltsam seelenlosen, ausgedünnten Stadtpark – und dann taugt er nicht einmal richtig für die Festwoche? Festwochenleiterin Martina Dufner wies zuletzt im Werkausschuss auf erschwerte Bedingungen hin, quasi als Beweis, dass die Festwoche für die Umgestaltung keinesfalls eine zentrale Rolle spielte (siehe Kreisbote vom 8.2.2020). Wie kann das sein, wenn der Planungsprozess sich laut anderer Aussage „natürlich auch am Bedarf für die Festwoche orientiert“ hat? Hier purzelt vor lauter Augenwischerei die Argumentation doch ziemlich durcheinander.

Es geht nicht (nur) darum, dass so Manchem der Stadtpark nicht gefällt. Was mich ärgert, ist, dass hier Bürger*innen für dumm verkauft werden. Ich würde mir zumindest mehr Ehrlichkeit wünschen: Über die klare Ansage „wirtschaftliche Aspekte sind uns wichtiger als die Bedürfnisse der Bürger oder ökologische Aspekte“ könnte man dann zumindest ehrlich streiten und dabei die Frage stellen, ob diese Einstellung in Zeiten von Klimaerhitzung und Artensterben noch zeitgemäß ist.

Stattdessen wird im Nachgang der neue Park „grüngerechnet“, wie in der Anzeige im Kreisboten vom 5.2.: In der „Flächenbilanz“ werden der ehemalige Bachlauf und Teich in Beige dargestellt, so dass bei flüchtigem Hinschauen der Eindruck entsteht, dass an dieser Stelle früher kein „Grün“ war. Als „Vegetation“ kann man einen Teich tatsächlich nicht bezeichnen, aber als Naturelement und Lebensraum für Tiere sehr wohl. Wir können natürlich froh sein, dass fast alle großen Bäume erhalten wurden. Aber mit den Büschen sind innerstädtische Nischen und Rückzugsorte für Kleintiere, auch Singvögel, verschwunden. Markus Wiedemann hat Recht: es ist ein echter Gewinn, dass vor dem Finanzamt keine Autos mehr stehen, absolut! Nun ist es keine Straße mit Parkplätzen mehr, sondern gepflasterte Fläche. „Mehr Grün“ …ist’s nicht. Bitte, liebe Stadträte, verkauft uns den Stadtpark jetzt nicht als „Öko-Projekt“!

(Gesine Weiß)