Zunächst ein peinliches Geständnis: nach vierzehn Jahren in Kempten war ich heute das erste Mal am Schwabelsberger Weiher. Meine Freundin Kati zeigte mir dieses Natur-Idyll mit dem angrenzenden „Kleinen Bibertal“ — oder vielmehr das, was davon übrig blieb. Wolf Hennings von der Umweltgruppe Nord/ikarus.thingers beschreibt das ehemalige Kleinod so: „Durch die Fäll- und Stauarbeiten rastloser Biber ist im Laufe der letzten Jahre Lebensraum für Fische, Molche, Frösche und Kröten und ungezählte Kleintiere entstanden. Den Reiher konnte man regelmäßig beobachten, ein Stockentenpaar brütete am Rand.“

Leider ist davon nicht mehr viel zu erkennen. Kürzlich hat der Stadtbauhof am hinteren Ende des Tales ein Sicherungsgitter gegen mögliche Überflutungen errichtet. Das war wohl mit dem Umweltamt abgesprochen und wäre grundsätzlich kein Problem gewesen. Nur leider hat der Biber — und mit ihm alle Freunde des kleinen „Biberweihers“ — Pech gehabt: der entscheidende Biberdamm wurde bei den Bauarbeiten zerstört, so dass der kleine Stausee abfloss. Damit wurde auch die Biberburg trocken gelegt. Eine Katastrophe für die Tiere, die den Bau stets vom Wasser aus anschwimmen. Wolf Hennings berichtet: „Die gesamte Fläche [wurde] rücksichtslos mit einem Bagger befahren und verdichtet, umgefallene Baumstämme zerkleinert, alle Dämme beseitigt, den Tieren der Lebensraum zerstört…“ Das ist nicht nur bedauerlich, sondern äußerst fragwürdig, denn der Biber ist per Naturschutzgesetz geschützt — bzw. wäre geschützt gewesen.

Man wünscht sich von Herzen, dass solche Eingriffe in die Natur durch die Stadt mit mehr Fingerspitzengefühl gehandhabt werden! Vermutlich geschah die Zerstörung gar nicht aus böser Absicht, sondern wohl eher aus Unwissenheit und einer gewissen Ignoranz gegenüber der Natur. Dann wäre es vielleicht eine Lösung, das entsprechende Personal im Bereich Umweltschutz zu sensibilisieren und zu schulen. Denn dieser Fall ist keine Ausnahme:

An anderer Stelle am Schwabelsberger Weiher wurde durch schweres Gerät eine Wildtulpen-Kolonie unwiederbringlich zerstört. Und gleich daneben wurde direkt an einem lauschigen Waldpfad eine unsäglich hässliche, klobige Fußgängerbrücke aus Beton über ein kleines Bächlein „hingeklotzt“. Das Wort „Bauen“ kann man in diesem Fall tatsächlich nicht verwenden. Warum denn nicht einfach eine Holzbrücke wie weiter unten im Verlauf des Baches? Zusätzlich zur optischen Verschandelung hat die Konstruktion ein riesiges Manko: Kleingetier kann das eingelassene Wasserrohr bachaufwärts nicht passieren. Außerdem wurde ein angrenzender Baum halb einbetoniert. Ob dem das gut tut? Man fragt sich in solchen Fällen schon: WER denkt sich WAS bei solchen Maßnahmen?

(Gesine Weiß)