Was kostet uns der Verkehr wirklich?

Ob Radweg oder Regionalbahn Allgäu: Allzu oft scheitern solche Projekte am Geld. Oder vielmehr am Willen, dieses in „Öko-Projekte“ zu investieren. Gerade jetzt, wo das Stadtsäckel leer ist, müssen Prioritäten gesetzt werden, das ist verständlich. Zuletzt wurde das wieder deutlich, als es um die Umgestaltung der Bahnhofstraße ging. Einerseits: Toll, dass die Stadtverwaltung plant, durch eine Umweltspur den Straßenraum zugunsten von Radverkehr und ÖPNV umzuverteilen. Und prima, dass ein Großteil der Stadträte das Projekt befürwortet. Andererseits: Dass die momentane Planung alles andere als optimal ist, bekennt das Amt für Tiefbau und Verkehr selbst. Doch ein richtig guter Umbau sei aktuell nicht denkbar – mit 2-3 Mio. viel zu teuer. (Siehe auch News-Beitrag Ausschuss für Mobilität und Verkehr: Endlich geht was vorwärts!)

Zu solchen Anlässen frage ich mich manchmal, warum gleichzeitig für’s Auto ganz selbstverständlich Tausende bzw. Millionen ausgegeben werden. Das wird selten in Frage gestellt, außer von den üblichen Verdächtigen, den „Ökos“ unter den Stadträten… Und freilich nicht nur in Kempten. Laut Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung kostet ein öffentlicher Parkplatz zwischen 5.000 und 7.000 € pro Jahr, das sind 15 € pro Tag für jeden Steuerzahler, ob Autobesitzer oder nicht! Nachzulesen im kürzlich erschienenen ZEIT-Artikel „Laufen und laufen lassen“ zum Thema autofreie Stadt.

„Die Lufthansa soll 9 Milliarden Euro von der Bundesregierung erhalten; pro Kauf eines Elektroautos soll es einen Zuschuss von 6.000 Euro geben. Doch wer wirklich von der 6.000 Euro Neuwagenprämie für E-Autos profitiert, verfügt sowieso schon über genügend Geld, um sich ein teures Auto kaufen zu können. Diejenigen, die wenig verdienen, profitieren davon nicht: Der systemrelevante Krankenpfleger, der auf Bus und Bahn angewiesen ist, um zur Arbeit zu kommen oder die Auszubildende, die jeden Tag mit dem Fahrrad fährt“, so der VCD.

Unter dem Motto „Die Verkehrswende ist sozial gerecht!“ zeigt der Verkehrsclub auf, dass es gravierende Ungerechtigkeiten im Finanzierungssystem des Verkehrs gibt. „Denn es muss nicht nur die Infrastruktur gebaut und aufrechterhalten werden, sondern durch Verkehr entstehen hohe externe Kosten. Das sind z.B. Unfälle, Klimawandel, Luftschadstoffe oder Lärm. Diese Last wird nicht nur von denjenigen getragen, die den Verkehr verursachen.“ Diese und weitere Fakten gibt’s nachzulesen in dem lesenswerten Artikel „Wie ungerecht der Verkehr heute ist und warum wir die Verkehrswende brauchen“ sowie, kurz und knackig, hier:

Vielleicht sollte man die Broschüre dem ein oder anderen Politiker unter die Nase halten, wenn es mal wieder heißt: Radweg? Zu teuer!

(Gesine Weiß)