Was gibt’s Neues? Zu Klimaschutzbeirat (23.9.) und Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz (6.10.)

Vor lauter anderen „NEWS-worthy“ Themen bin ich noch gar nicht dazugekommen, aus den städtischen Gremien zu berichten. Für Details lese man die AZ oder den Kreisboten, der aus eigener Anschauung sehr trefflich berichtet. Über den Klimaschutzbeirat: Artikel „Schützende Bausteine“, über den Umweltausschuss: Artikel „Anpassungsbereitschaft“. Die Präsentationen zu den Vorträgen können übrigens im Ratsinfoportal eingesehen werden.

Wir nehmen uns freilich in diesem Blog heraus, auch ein bisschen subjektiv zu sein, deshalb erst einmal eine positive Nachricht: Hatte man bei dem ehemaligen Vorsitzenden Hiepp stets das bedrückende Gefühl, dass beim Umwelt- und Klimaschutz wenig vorwärtsgeht, kommt mit Gerti Epple und den neuen Stadträten deutlich Schwung in die Sache! Dasselbe ist im Umweltausschuss zu beobachten (den OB Kiechle leitet): Zuletzt hielt SPD-Stadträtin Ingrid Vornberger solch eine flammende Rede für mehr Klimaschutz, dass es eine Freude war! (In der Diskussion ging es um mehr Personal für das Umweltamt.) Ich möchte deswegen allen ans Herz legen, die Sitzungen zu besuchen, sich ein eigenes Bild zu machen – und als Bürger*in Präsenz zu zeigen.

Und was gibt’s Neues von der Klimaschutz-Front? Unter anderem ist ein Projekt zur Vermeidung von Wegwerfgeschirr geplant. Außerdem soll mit dem Programm MÜCKE in verschiedenen Kemptener Schulen die Mülltrennung eingeführt werden (höchste Zeit!). Der Mobilitätstag, eine verkappte Autoausstellung in der Innenstadt, wird in diesem Herbst nicht stattfinden. Sind wir darüber sehr enttäuscht? Nun ja. Und da der Klimawandel längst auch im Allgäu angekommen ist, soll mit dem Beratungsunternehmen alpS eine gemeinsame Klimaanpassungsstrategie für Kempten und das Oberallgäu erarbeitet werden.

Gerti Epple, die nicht nur Beauftragte für Umwelt- und Klimaschutz ist, sondern auch Vorsitzende des Vereins „Kräuterland e.V.“, stellte im Klimaschutzbeirat den geplanten Gemeinschaftsgarten selbst vor. Er wird auf dem Gelände zwischen Bachtelmühlsiedlung und Bahngleisen entstehen. Dieser Landgarten liegt ganz in der Nähe des Artenvielfaltsgartens, den Manuela Hiller im letzten Klimaschutzbeirat vorstellte. Damit gibt es gleich zwei Projekte zu gemeinschaftlichem Gärtnern und Förderung der Artenvielfalt in Kempten – in unmittelbarer Nachbarschaft. Da könnte man als Bewohnerin der Nordstadt fast ein bisschen neidisch werden!

Besonders interessant ist der Vortrag über Technische Städteplanung von Thomas Eberl vom Ingenieurbüro egrid im Klimaschutzbeirat. Er rät dringend dazu, vorausschauend und ganzheitlich zu planen sowie innovativ zu bauen. Denn Gebäude stehen mindestens 40 Jahre – und es ist schwierig, im Bestand noch bauliche Änderungen vorzunehmen. Das heißt zum Beispiel: jetzt schon an Leerrohre für Elektroleitungen (E-Autos) denken, auf Mieterstrommodelle und fortschrittliche, gemeinschaftliche Heizsysteme (z.B. Abwasserwärmetauscher) setzen und genügend Platz für geteilte Mobilität (Carsharing) vorhalten.

Als Grundstücksverkäufer kann man über den Kaufvertrag übrigens viel vorgeben, zum Beispiel, dass ein Energiekonzept erstellt werden muss. Unweigerlich kommt einem da der Gedanke: blöd, dass die Stadt nicht selbst das Saurer-Allma-Gelände gekauft hat und der Sozialbau entsprechende Vorgaben bereits in den Kaufvertrag geschrieben hat. Jetzt muss der Stadtrat lenkend eingreifen und gemeinsam mit dem OB auf Nachhaltigkeit drängen. Und das, obwohl die Sozialbau ja faktisch der Stadt gehört. Es ist kompliziert und wir sind gespannt, wie es diesbezüglich weitergeht – aber das ist wieder ein anderes Kapitel.

(Gesine Weiß)