Ist der noch zu retten? Lieblingsbaum zur Fällung freigegeben

Wie können wir diesen Baum retten? Treffen an der Biergarten-Kastanie

Ausgerechnet einer der Lieblingsbäume der Kemptener soll gefällt werden! Die prächtige alte Kastanie steht auf einem Privatgrundstück in der Schwedenstraße (bzw. Dornstraße 7) und ist um die 90 Jahre alt (siehe unsere digitale Karte). „Wahrscheinlich wird die Kastanie mit ihrem 15 Metern Kronendurchmesser vielen erst dann fehlen, wenn er, wie andere Bäume im Innenstadtbereich, gefällt wird“, befürchtete die Autorin des Textes, Carmen Cremer, bereits vor vier Monaten. Kürzlich genehmigte der Bauausschuss nun den Bau eines „Studentenwohnheimes“ in Containerbauweise mit Blechfassade, für das der imposante Baum weichen soll.

Am Freitag, den 30.10. trafen sich die Initiatoren der Aktion Lieblingsbäume mit zahlreichen Anwohnern des Quartiers Am alten Holzplatz spontan vor Ort, um darüber zu beratschlagen, wie der Baum vielleicht doch noch gerettet werden kann. Gerti Epple, Beauftragte der Stadt Kempten für Umwelt- und Klimaschutz und Stadträtin der Grünen, war unserer Einladung gefolgt und hatte ein offenes Ohr für die sichtlich irritierten Anwohner. Innerhalb von wenigen Tagen haben sie 200 Unterschriften in der Nachbarschaft gesammelt, um gegen die Fällung des Baumes zu protestieren. Die Unterschriftenliste wurde an Gerti Epple übergeben, die versprach, sich mit aller Kraft für den Erhalt der Biergarten-Kastanie einzusetzen. Der Freundeskreis für ein lebenswertes Kempten, BUND Naturschutz und LBV unterstützen die Anwohner in einem Schreiben an OB Thomas Kiechle, Baureferent Tim Koemstedt und alle Mitglieder des Bauausschusses:

Erst im Sommer hatte der Umweltausschuss mehrheitlich (mit den Gegenstimmen der CSU) eine als Naturdenkmal ausgewiesene Linde am Mariaberg vor der Kettensäge bewahrt – und damit gezeigt, dass mit den neuen Mehrheitsverhältnissen auch eine deutlich baumfreundlichere Stimmung im Stadtrat eingezogen ist. Umso überraschender fand ich, dass der Bauausschuss die Fällung eines solchen Prachtbaumes einfach so durchwinkt. Gerti Epple meinte dazu: „Der Bauausschuss hat in erster Linie das Bauen im Blick, da wird anders gedacht als im Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz.“ Die Stadträte könnten nur aufgrund gesetzlicher Richtlinien entscheiden. Im Quartier Am Alten Holzplatz gebe es keinen Bebauungsplan und auch die Stadtbildsatzung, die diese Kastanie unter Schutz stellen könnte, greife hier nicht.

Carmen Cremer, die gemeinsam mit weiteren engagierten Nachbarn den Widerstand der Quartiersbewohner bündelt, zeigte als Architektin Verständnis für das „berechtigte Bedürfnis, Wohnraum zu schaffen“. Gleichzeitig müsse es möglich sein, eine optisch ansprechende, städtebaulich akzeptable Lösung zu finden und den wertvollen Baum zu erhalten. Sie wies insbesondere darauf hin, dass die geplante neun Meter hohe Blechfassade mit hoher Wahrscheinlichkeit eine erhebliche Erhitzung des Straßenzugs im Sommer zur Folge hätte. Die Kastanie trage dagegen im Sommer zu einer angenehmen Abkühlung der Luft bei.

Äußerst kritisch sehen die Anwohner die Optik des Containerbaus in der direkten Nachbarschaft zu den schönen Gründerzeithäusern, die das Straßenbild hier prägen. Eigentlich, so sollte man meinen, ein klarer Fall für den Gestaltungsbeirat, zumal im 2015 vom Stadtrat beschlossenen ISEK (Integriertes Stadtentwicklungskonzept für Kempten) die „Pflege des Stadtbildes“ als eines der zentralen Ziele für das Quartier Am Alten Holzplatz genannt wird. (Siehe Erweiterte Doppelstadt)

Julia Wehnert vom BUND Naturschutz wies bei dem Treffen auf den Wert von Bäumen für das Stadtklima, den Artenschutz und das gesundheitliche Wohlbefinden von Menschen hin. „Eine Fällung ohne vorhergehende Prüfung artenschutzrechtlicher Belange ist im Übrigen unzulässig“, gab sie zu Protokoll. Die Hoffnung, dass das Umweltamt bei der Prüfung Fledermäuse oder andere schützenswerte Arten findet, erscheint jedoch nicht ausreichend. Für uns besteht keine Frage, dass dieser einzigartige Baum das Stadtbild prägt und unbedingt erhalten bleiben muss. Man darf gespannt sein, ob die Stadt dem Wunsch der Bürger nachkommt und eine verträglichere Lösung gefunden wird.

(Gesine Weiß)