Wer Bäume fällt, muss gute Gründe haben: Ringen um Bäume am Klinikum

Mit freundlicher Genehmigung der AZ

Seit den Helikopter-Fällungen an der Burghalde im Frühjahr 2020 gibt es zunehmend Bürgerinnen und Bürger, die nachhaken, wenn in Kempten Bäume gefällt werden. So auch vor drei Wochen, als eine Mitarbeiterin des Klinikums bemerkte, dass mehrere große, alte Bäume neben dem Parkhaus am Haupteingang der Klinik zur Fällung markiert worden waren. Wir befragten einen Baum-Sachverständigen, der zu der Einschätzung kam, dass es keinen erkennbaren Grund gibt, die Bäume zu fällen – und protestierten. Die AZ (s.o.) und der Kreisbote berichteten (hier geht’s zum KB-Artikel).

Wie ging es weiter? Es gab ein Gespräch mit dem zuständigen Förster Michael Balk und weiteren „Offiziellen“ vom AELF, in dem es in erster Linie um Haftungsfragen ging und weniger darum, ob die Bäume tatsächlich eine Gefährdung darstellen. Immerhin sagte Herr Balk zu, die Bäume nicht in der Vogelbrutzeit zu fällen. Stadtrat Thomas Hartmann versprach, bei der Klinikleitung wegen einer möglichen Überdachung anzufragen, um die Parkenden vor eventuell herabfallenden Zweigen zu schützen. Insgesamt war es ein sachlicher, freundlicher Austausch.

Umso mehr irritierte uns die Bemerkung des Oberbürgermeisters Kiechle in der darauffolgenden Stadtratsitzung: „Selbst ernannte Fachleute“ bzw. „Bürger, die sich dauernd einmischen“ regen OB Kiechle „ein bisschen auf“, berichteten die AZ und Kreisbote, Kiechle fordere „mehr Respekt vor den Entscheidungen der Verwaltung“.

Das möchten wir nicht unkommentiert stehen lassen:

1. Der Baumsachverständige Christian Knaus, den wir baten, die Bäume am Klinikum-Parkhaus zu beurteilen, ist ausgebildeter Fachagrarwirt Baumpflege und seit 20 Jahren Sachverständiger für Bäume. „Selbst ernannt“ hat er sich nicht. Gewiss ist er nicht unfehlbar in seinem Urteil, aber von einer fundierten Fachkompetenz ist auszugehen.

2. Wir verstehen durchaus, dass der zuständige Förster große Verantwortung trägt. Und es ist für uns vollkommen nachvollziehbar, dass er aus seiner persönlichen Situation heraus lieber einen Baum zu viel fällt als einen zu wenig. Dennoch: Höflich vorgebrachte, (begründet) kritische Fragen vonseiten der Bürger sollten erlaubt sein. Mit Respektlosigkeit hat das in unseren Augen nichts zu tun.

3. Ja, wir sind der Meinung, dass in Zeiten von Artensterben und Erderhitzung jede Baumfällung kritisch hinterfragt werden muss und man einen Baum lieber zweimal anschaut, bevor man ihn fällt. Alles andere können wir uns schlichtweg nicht mehr leisten! Natürlich wachsen wieder neue Bäume nach. Aber: die großen Buchen am Klinikums-Parkplatz sind ca. 60 Jahre alt, das heißt, bis eventuelle Nachfolger deren Größe erreicht haben, sind unsere Kinder Omas und Opas!

Und jetzt? Wie uns Umweltbeauftragte Gerti Epple mitteilte, lässt die Klinikleitung nun tatsächlich prüfen, ob (und zu welchem Preis) eine Überdachung des Parkhauses möglich ist. Wir drücken die Daumen, dass diese salomonische Lösung bezahlbar ist!

(Gesine Weiß)