Neues vom Radwegenetz für Kempten

Nach einem Workshop im Herbst 2020 und einer digitalen Info-Veranstaltung Ende Juli 2021 werden die Planungen für ein durchgehendes Radwegenetz in Kempten konkreter. Am 22.9. fand ein zweiter Workshop mit mehreren Stadträten, Vertretern aus der Verwaltung und Bürger*innen statt. Neben dem ADFC und der Agenda 21-Gruppe Mobilität waren auch zwei Vertreterinnen des Freundeskreis Lebenswertes Kempten (FLKE) eingeladen und durften sich zu den Plänen äußern.

Dabei war – Überraschung! – die Salzstraße als dringend benötigte Nord-Süd-Achse ein heißes Thema. Denn dass die Umweltspuren in der Bahnhofstraße realisiert werden, ist gesetzt. Doch wohin sollen Radfahrer ab dem Forum stadteinwärts geleitet werden? Der Weg über Königstraße und ZUM wäre der direkte Weg in Richtung Norden, doch leider ist der Raum am „Meeting-Point“ der Busse begrenzt und die Verkehrssituation unübersichtlich. Die Mehrheit sprach sich daher dafür aus, den Radverkehr über die Mozartstraße in die Salzstraße zu leiten. Nur: die aktuelle Situation für Radler in der Salzstraße ist bekanntermaßen katastrophal. Man darf gespannt sein, wann und wie dieses Problem gelöst wird. (Sehr bedauerlich, dass beim Umbau des Stadtparks die Radfahrer nicht mitgedacht wurden, zu der Gelegenheit hätte man vielleicht eine Nord-Süd-Schneise für Radler schaffen können…)

Ein weiterer Vorschlag war, den Radverkehr südlich des Forums über die Albert-Ott-Straße und die Kotterner Straße (an der BigBox vorbei) zu leiten. Allein: eine Nord-Süd-Achse ergibt sich daraus nicht. Die Fahrt würde in der Bahnhofstraße enden bzw. in einem Schlenker durch die Kronenstraße. Auch um eine gute Radverkehrsführung am Adenauerring/Parkstraße wurde gerungen. Für die Füssener Straße kam der Vorschlag, diese evtl. in eine Einbahnstraße zu verwandeln. Das CvL darf sich freuen: der Netzplan sieht vor, die Poststraße als Hauptachse auszubauen, um das Gymnasium (endlich!) mit der Innenstadt zu verbinden.

Wenn der Radwegenetzplan wie derzeit geplant realisiert wird, ergeben sich deutliche Verbesserungen. Die Priorisierung der Maßnahmen und der Zeitplan bleiben jedoch im Vagen. Wir mahnten eine zügige Umsetzung an und baten darum, Bürger*innen bei der Priorisierung einzubinden. Ferner drängten wir darauf, die Kosten für das Radwegenetz bereits jetzt in der Haushaltsplanung zu berücksichtigen. Ob der Wille bei den Stadträt*innen reicht, Geld für eine gute Rad-Infrastruktur in die Hand zu nehmen? Stadtrat Mayr bremste erst einmal: Die Stadt habe klamme Kassen und zunächst einmal seien die Pflichtaufgaben zu bewältigen (z.B. der Bau von Schulen und Kindergärten). Ein Argument, das Tobias Heilig (ADFC) sogleich entkräftete: viele Maßnahmen seien aus finanzieller Sicht gar nicht so teuer. Juliane Brausewetter vom FLKE verwies außerdem auf Fördermittel vom Bund für den Ausbau von Radwegenetzen.

Man darf gespannt sein, wie es weitergeht!

(Gesine Weiß)