Bergbau in der Stadt: Urban Mining

Bauschutt, Wikimedia Commons (Fotograf: Derzno)

Was für eine Verschwendung: Beim Bauen werden Unmengen an Rohstoffen verwendet, die beim Abbruch der Häuser einfach auf der Deponie landen. Über nachhaltiges Bauen im Sinne der Cradle-to-Cradle-Idee haben wir schon einmal berichtet. (Cradle To Cradle oder das Geheimnis der Ameisen) Einen ähnlichen Ansatz verfolgt „Urban Mining“: Unter dem Motto „die Gebäude von heute sind die Materiallager von morgen“* verwenden innovative Bauherren gebrauchte Materialien für neue Gebäude. Von Recycling-Beton bis zu Getränkeverpackungen: Erstaunlich, was alles zum Bauen verwendet werden kann!

Die Sendung mit der Maus beschäftigt sich in vier Folgen mit dem Thema „Urban Mining“ (auf Deutsch: „Bergbau in der Stadt“). Kindgerecht erklärt, aber auch für Erwachsene interessant!

Ebenfalls sehenswert ist die Doku „Der Trick mit dem Bauschutt“ (planet e, zdf). Hier erfährt man viel über kreislaufgerechtes Bauen – und, dass beim Bau öffentlicher Gebäude gemäß dem neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz vorrangig Recycling-Produkte verwendet werden sollten. Leider ist dieses Gesetz nicht bindend, man setzt bisher auf Freiwilligkeit (mit mäßigem Erfolg).

Und was hat das mit uns zu tun? In Kempten stehen große Bauprojekte an, wie die neue Stadtbibliothek + vhs oder das neue Quartier auf dem ehemaligen „Saurer Allma“-Gelände. Für Letzteres steht der Siegerentwurf mittlerweile fest, er stammt vom Architekturbüro Hähnig Gemmeke aus Tübingen. Der Kreisbote berichtete ausführlich über die Pläne.

Uns interessiert natürlich besonders das Nachhaltigkeitskonzept. Das klingt soweit ganz gut – Architekt Hähnig nannte bei der Präsentation des Entwurfs im Bauausschuss vom 21.10. viele wichtige Punkte: Schutz des Baumbestandes, Rücknahme von Flächenversiegelung, Frischluftschneisen und Regenwasser-Retention bzw. „Schwammstadt“-Prinzip. Im Süd-Osten des Geländes soll eine „Mobilitätsdrehscheibe“ mit Quartiersgarage, ÖPNV-Anbindung und Sharing-Angeboten entstehen. Immerhin an der Oberfläche soll das Quartier „autoarm“ werden, der autofreundliche Stellplatzschlüssel Kemptens bleibt aber leider unangestastet; zusätzlich zur Quartiersgarage sind vier Tiefgaragen geplant.

Über die Energieeffizienz der Gebäude wurde gar nichts gesagt. Passivhaus-Standard, Wärmepumpen, Nutzung erneuerbarer Energien? – Fehlanzeige. Der Architekt riet zwar dazu, Dächer für Photovoltaik zu nutzen, doch die Anbindung an die ZAK-Fernwärme ist offenbar vonseiten der Sozialbau/des Stadtrats gesetzt (was, so mein Eindruck, nicht ganz im Sinne des Architekten zu sein schien). Auch Recycling-Baustoffe waren kein Thema. Aber vielleicht helfen ja die dramatisch gestiegenen Rohstoffpreise der letzten Monate beim Umdenken!

(Gesine Weiß)

* (Motto der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt EMPA)